“KEIN NETZ” IST KEINE AUSREDE MEHR.

Kein Netz keine Ausrede Wer nicht gern telefoniert – oder nicht gern mit jemand bestimmtem telefoniert – entschuldigt sich nach unterlassenem Anruf mit der simplen Behauptung “kein Netz”. Mit Congstar ist diese Behauptung nicht mehr möglich: Weil es da die “beste D-Netz-Qualität” gibt.

Ist das unter der Perspektive “Ausrede” eine gute Meldung? Sprich: Wer will hören, dass seine Schummelei nicht mehr funktioniert und er entsprechend anrufen muss, auch wenn er keine Lust dazu hat?

Vielleicht ist die Zielgruppe der Anzeige ja auch die ungern gehörte Bezugsperson des ehemaligen Nicht- und somit zukunftigen Anrufers.

Aber wer lässt sich schon von jemanden, den oder die er nicht anrufen will einen  Handy-Vertrag schenken, der grundätzlich hohe Verbindungsqualität verspricht?

Entdecken Sie Europa

Entdecken Sie EuropaSo fordert uns diese Anzeige auf. Fast schon zu authentisch macht sie das in einem altbacken-kursiven Reiseagentur-Schriftzug vor strahlend blauem Himmel. Tiefblau entsprechend auch die Farbe des Meeres.

Irritierend dabei: Auf dem Kahn, der dem Leser entgegentreibt, sitzen und stehen dicht gedrängt dunkelhäutige Menschen mit erwartungsvollem Blick. Also doch kein Sommer-Sonne-Strand-Idyll?

Mitnichten. Die Text-Bild-Kombi spielt der Erwartungshaltung des Lesers übel mit. Es geht nicht um Urlaub, es geht um Flüchtlinge, um Hunger, Elend, womöglich Krieg und Tod.

Gekonnt setzten die Anzeigenmacher hier nicht auf die Mitleidsdrüse, sondern auf den Überraschungseffekt und das politische Verantwortungsbewusstsein des Lesers. Und das machen sie schlicht, aber enorm wirkungsvoll, finden wir. Da ist es auch ganz egal, dass die Boatpeople einem ganz anderen Maßstab entsprangen als das Schiffchen und das Ganze eher nachlässig gephotoshopped wirkt.

Was zählt, ist der Aha-Effekt, der das Knöpfchen im Kopf drückt. Und das tut er.

IS DAT GEIL?

Becher Koeln_0064Mitglieder der Kölner Heimatkapelle Brings auf der Bühne, im Hintergrund der Dom und in der Luft alles voller verschiedenfarbiger, fliegender Bierflaschen. Klar ist das geil! Da geht die Post ab, auch wenn die Herren in Schottenkaros über keine Instrumente verfügen – das dürfte dem Karnevals-Kölner an sich ohnehin nicht auffallen.

Packende Werbung! Wofür? Ah, da ist noch ein Störer: Becher ist geil!

Die grandiose Stimmung, die da produziert wird, ist also in Wirklichkeit “bäh”, lieber Plakatleser, weil: fliegende Bierflaschen. Und wer dann noch in das Plakat hineinkriecht, erkennt im Hintergrund eine Flaschen- statt Menschenmenge vor dem Dom. Dem Plakat-Passanten bleibt dieser Umstand allerdings mit Sicherheit verborgen.

Die unter anderem in Köln ansässige Agentur Heimrich und Hannot macht also mit einem Power-Plakat so richtig Stimmung und sagt dann kleinlaut: Genau das dürft ihr nicht machen.

JONGS, DAT IS JAR NIT JEIL.

 

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