WENN EIN BUCH EIN GUTER REISEGEFÄHRTE IST, DANN BEGIB DICH AUF DIE SCHÖNSTE GRUPPENREISE DER WELT.

amazon reisegefährte „Und wenn nicht? Was soll ich dann machen?“

Konditional-Aussagen in der Werbung sind immer ein Risiko. Wer sie nutzt, sollte ihre Anwendung beherrschen. Der Claim behauptet zunächst einmal: nichts. Schließlich gilt die Aufforderung zum Gruppenreisen nur, „wenn …“

Von ähnlicher Gültigkeit, liebe Amazonen, wäre der Slogan: „Wenn Gummibärchen dich von A nach B tragen können, dann nutzte Gummibärchen für deine Mobilität.“ Allerdings gilt das „Wenn“ hier definitiv nicht, folglich ist leider auch das „Dann“ eine Aufforderung zu etwas, was selten funktioniert.

Ergo: Wenn Amazon-Texter Erfolge feiern wollen, dann sollten sie auch etwas mehr Hirnschmalz einsetzen. Denn der Leser braucht keine eingeschränken Aufforderungen nach dem Motto „kauf mich, falls du meins, ich könnte für dich vielleicht irgendwie von Nutzen sein.

Erfolg hat zwei Seiten. Mehr Strom. Weniger Kraftstoff.

Benz 6 2015_Ganz_116Die Mercedes-Benz-Texter haben sich ein Altherren-Bonmot als Slogan zu eigen gemacht. „Alles hat zwei Seiten.“ Clever, das kennt ja jeder. Dumm bloß, dass jeder auch automatisch an eine gute und eine schlechte Seite denkt, denn so wird das geflügelte Wort nun mal verwendet, nur so macht es Sinn.

Also: Welche Seite ist hier welche? Natürlich muss „weniger Kraftstoff“ die gute Seite sein. „Mehr Strom“ also die schlechte. Will Mercedes-Benz hier damit werben, dass sein neues Auto mehr Stom verbraucht?

Statt zweier Seiten sprächen zwei Fakten für sich: Mehr Strom(antrieb) bedeutet weniger Kraftstoff(verbrauch).

Nur schade, dass diese Lesart nicht mit den „zwei Seiten kompatibel“ ist. Die Aussage ist damit schlicht: Unsere Autos sind sparsamer geworden. Doch das ist nun mal nur eine Seite, das schöne Bonmot wird gegen die Wand gefahren.

Dumm gelaufen. „Das Beste oder Nichts?“ Diesmal war es auf jeden Fall Letzteres.

 

Die Saga geht weiter: Dank Helm

Gilt in jeder Galaxie. Und auf dem Fahrrad. So die Unterzeile.

Ach, der schwer atmende Bösewicht Darth Vader. Musste er doch schon des Öftern für Kampagnen herhalten, vorzugsweise für VW. Der „gefürchtete Diener des Imperators“ (Wikipedia) hat in dieser Kampagne einen Die Saga geht weiter: Dank Helmneuen Herrn, der sich seiner bemächtigt, um an die unschuldigen und guten Kinder und Jugendliche ranzukommen. Es handelt sich dabei um keinen geringeren als Alexander Dobrindt, aktueller Verkehrsminister.

Man könnte meinen, Dobrindt selbst hat sich von Helmherstellern vor den Fahrradkarren spannen lassen und ist selbst nur ein Diener der Wirtschaft. Doch nein. Der Karren, der hier vorfährt, gilt der Kampagne „RUNTER VOM  GAS“.

Crash, das Plakat fährt voll gegen die Wand! Welches Gedankenmonstrum steuert sich dabei in die Hirne der Zielgruppe? Das Plakat suggeriert: Dank Helm passiert dir nix – es ist furchteinflößend, jeder Autofahrer entschleunigt seinen Boliden, sobald er einen Helm sieht. Umkehrschluss: Dank Helm kann ich radeln, radeln, radeln – der Helm übernimmt die Verantwortung für mich und für die anderen Verkehrsteilnehmer.

Und überhaupt: der Fahrradfahrer als schwarzer Ritter des Verkehrs?! Da ist es wieder und wird von höchstoffizieller Seite bestätigt: das Klischee vom Kampfradler.

Geht’s noch?

Unter #dankhelm können Helme gewonnen werden, wenn man sich neben dem Plakat ablichtet und das Bild twittert. Spannender ist die Gegenbewegung darauf als #besserobenohne.

 

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