Erfolg hat zwei Seiten. Mehr Strom. Weniger Kraftstoff.

Benz 6 2015_Ganz_116Die Mercedes-Benz-Texter haben sich ein Altherren-Bonmot als Slogan zu eigen gemacht. „Alles hat zwei Seiten.“ Clever, das kennt ja jeder. Dumm bloß, dass jeder auch automatisch an eine gute und eine schlechte Seite denkt, denn so wird das geflügelte Wort nun mal verwendet, nur so macht es Sinn.

Also: Welche Seite ist hier welche? Natürlich muss „weniger Kraftstoff“ die gute Seite sein. „Mehr Strom“ also die schlechte. Will Mercedes-Benz hier damit werben, dass sein neues Auto mehr Stom verbraucht?

Statt zweier Seiten sprächen zwei Fakten für sich: Mehr Strom(antrieb) bedeutet weniger Kraftstoff(verbrauch).

Nur schade, dass diese Lesart nicht mit den „zwei Seiten kompatibel“ ist. Die Aussage ist damit schlicht: Unsere Autos sind sparsamer geworden. Doch das ist nun mal nur eine Seite, das schöne Bonmot wird gegen die Wand gefahren.

Dumm gelaufen. „Das Beste oder Nichts?“ Diesmal war es auf jeden Fall Letzteres.

 

Die Saga geht weiter: Dank Helm

Gilt in jeder Galaxie. Und auf dem Fahrrad. So die Unterzeile.

Ach, der schwer atmende Bösewicht Darth Vader. Musste er doch schon des Öftern für Kampagnen herhalten, vorzugsweise für VW. Der “gefürchtete Diener des Imperators” (Wikipedia) hat in dieser Kampagne einen Die Saga geht weiter: Dank Helmneuen Herrn, der sich seiner bemächtigt, um an die unschuldigen und guten Kinder und Jugendliche ranzukommen. Es handelt sich dabei um keinen geringeren als Alexander Dobrindt, aktueller Verkehrsminister.

Man könnte meinen, Dobrindt selbst hat sich von Helmherstellern vor den Fahrradkarren spannen lassen und ist selbst nur ein Diener der Wirtschaft. Doch nein. Der Karren, der hier vorfährt, gilt der Kampagne “RUNTER VOM  GAS”.

Crash, das Plakat fährt voll gegen die Wand! Welches Gedankenmonstrum steuert sich dabei in die Hirne der Zielgruppe? Das Plakat suggeriert: Dank Helm passiert dir nix – es ist furchteinflößend, jeder Autofahrer entschleunigt seinen Boliden, sobald er einen Helm sieht. Umkehrschluss: Dank Helm kann ich radeln, radeln, radeln – der Helm übernimmt die Verantwortung für mich und für die anderen Verkehrsteilnehmer.

Und überhaupt: der Fahrradfahrer als schwarzer Ritter des Verkehrs?! Da ist es wieder und wird von höchstoffizieller Seite bestätigt: das Klischee vom Kampfradler.

Geht’s noch?

Unter #dankhelm können Helme gewonnen werden, wenn man sich neben dem Plakat ablichtet und das Bild twittert. Spannender ist die Gegenbewegung darauf als #besserobenohne.

 

KÖLN ALLEIN MACHT AUCH GLÜCKLICH.

TullamoreAuch wenn der Claim es nahe legt: Nein, das ist keine Anzeige eines Touristikunternehmens für Single-Reisen in oder nach Köln. Auf den ersten Blick verwirrt das Plakat: Am unteren Plakatrand sind eine Flasche Tullamore D.E.W. sowie ein Rezept für einen Whiskey-Drink mit Ginger abgebildet. Und der Name Florian Cieslik – ein Slampoet – wird genannt. Immerhin ein Zusammenhang erschießt sich hier: Die Marke Tullamore D.E.W. unterstützt wohl den Dichter.

Unter #poetryslam finden sich bei Twitter keine Hinweise.

Suchmaschinen bringen Licht ins Dunkle. Die Whiskey-Marke ist Sponsor einer Poetryslam-Roadshow. Möglich, dass die Show einen Stopp in Köln macht und das Plakat für diesen Event werben möchte. Allerdings: Wann das Ereignis stattfindet, erfährt man hier nicht. Um eine Aufforderung, Dichter beim verbalen Schlagabtausch zu verfolgen, handelt  es sich schon mal nicht.

Oder geht’s vielleicht um Image? Die Whiskey-Marke möchte mit diesem Plakat ihre jahrelange Poetryslam-Unterstützung unterstreichen. Slammer und Fans sollen sich also in ihrem Geschmack bestätigt fühlen und zufrieden Whiskey-Ginger trinken.

Wir staunen: Das soll ausgerechnet den Fans des geschliffenen, markanten oder provozierenden Wortes reichen?

Der Veradcht liegt nahe, dass die Verantwortlichen da mindestens einen Tullamore zu viel in der Birne hatten.

 

Ältere Beiträge «