KÖLN ALLEIN MACHT AUCH GLÜCKLICH.

TullamoreAuch wenn der Claim es nahe legt: Nein, das ist keine Anzeige eines Touristikunternehmens für Single-Reisen in oder nach Köln. Auf den ersten Blick verwirrt das Plakat: Am unteren Plakatrand sind eine Flasche Tullamore D.E.W. sowie ein Rezept für einen Whiskey-Drink mit Ginger abgebildet. Und der Name Florian Cieslik – ein Slampoet – wird genannt. Immerhin ein Zusammenhang erschießt sich hier: Die Marke Tullamore D.E.W. unterstützt wohl den Dichter.

Unter #poetryslam finden sich bei Twitter keine Hinweise.

Suchmaschinen bringen Licht ins Dunkle. Die Whiskey-Marke ist Sponsor einer Poetryslam-Roadshow. Möglich, dass die Show einen Stopp in Köln macht und das Plakat für diesen Event werben möchte. Allerdings: Wann das Ereignis stattfindet, erfährt man hier nicht. Um eine Aufforderung, Dichter beim verbalen Schlagabtausch zu verfolgen, handelt  es sich schon mal nicht.

Oder geht’s vielleicht um Image? Die Whiskey-Marke möchte mit diesem Plakat ihre jahrelange Poetryslam-Unterstützung unterstreichen. Slammer und Fans sollen sich also in ihrem Geschmack bestätigt fühlen und zufrieden Whiskey-Ginger trinken.

Wir staunen: Das soll ausgerechnet den Fans des geschliffenen, markanten oder provozierenden Wortes reichen?

Der Veradcht liegt nahe, dass die Verantwortlichen da mindestens einen Tullamore zu viel in der Birne hatten.

 

GRANDIOSEN SONNENAUFGANG ERLEBT.

Peugeot 2015KEIN FOTO GEMACHT.

NICHTS GEPOSTET.

Der Über-Hipster freut sich ob seines Erlebnisses zum Tagesanbruch, seines neuen Peugeots, vor allem aber, dass er einmal der sozial-digitalen Knechtschaft entkommen ist: Er hat nicht an der allgegenwärtigen Netzeitelkeit teilgenommen, hat kein Selfie im sonnendurchstrahlten neuen Auto oder mit ihm im grandiosen Gegenlicht-Hintergrund gemacht. Er hat einfach genossen.

Das ist grandios. Die Verweigerungshaltung wird zum Wunschglück. Und der vermeintliche Individualist, der mit dieser Haltung entsteht, zum Traum vom eigenen Selbstverständnis. Ganz konsequent – wenn auch mehr als hölzern – heißt es daher weiter unten: “Alcantara-Sitze mit Ziernähten und viel Platz für eine eigene Meinung.” Genau der Tenor des Slogans also: Genieße deine eigene Individualität, und du brauchst kein f im blauen Kasten. Mag ich.

 

Skyline N°3c

Tune Sex_0165Die neue Duftmarke von Uli Fahl untertitelt diese nicht ganz neue Anzeige für hochpreisige Fahrradteile in einem B-to-B-Fahrradmagazin.

Interessanter als das vermeintlich Olfaktorische ist aber der weitere Text. Und nein: Unseres Wissens ist das keine automatische Google-Übersetzung aus dem Taiwanesischem:

“Spüre den Geruch von Salz und 650B auf deiner Haut, wenn du den leichtesten MTB Clincher Laufradsatz der Welt über die Trails prügelst. Erlebe das Aeroma von 1086 Gramm leichtem Tune”

Sex sells, niemand leugnet das, und die Übergossene wirkt sicher als erster Eye-Catcher. Das heißt aber nicht, dass mit einem schlüpfrigem Konzept der Rest der Anzeige egal ist. Weder Salz noch 650B – eine Größenbezeichnung bei Mountainbike-Laufrädern wie den abgebildeten – riecht nach irgendetwas. Daneben scheint es uns ziemlich schwierig, Geruch, ob vorhanden oder nicht, zu spüren, auch lassen sich Aromen eher selten erleben. Und was “Aeromen” sind, wagen wir nicht einmal zu ahnen. Vermutlich fand der Texter den Anklang an Aero respektive Aerodynamik so pfiffig, dass er die Wortschöfpung bar jeder Vernunft einbringen musste. Kleiner Tipp fürs nächste Mal: Kill your darlings! Dann noch das “1086 Gramm leichte Tune”: Tune ist der Hersteller, nicht das beworbene Modell – deshalb liest sich auch der letzte Satz so hölzern.

Daneben fragen wir uns: Was läuft dem Model über das Gesicht und ist so lecker, dass man es sich von den Lippen lecken will? Frisch gepresster 650B-Saft? Hochprozentiges Fahrradöl?

Da wir diese Frage hier nicht abschließend beantworten können, bilanzieren wir: Nicht nur Premium-Fahrradkomponenten haben technische Sorgfalt verdient, auch für Anzeigentexte trifft das zu – ganz besonders für die Form der Parodie, bei der Präzision einen enormen Anteil am Erfolg hat. Denn die Schenkelklopfer des Konsumenten werden vom Werbenden häufig missverstanden: Sie sind nur dann die gewünschte Reaktion und erfolgversprechend, wenn der Leser sich über die Parodie, nicht über den Parodisten amüsiert.

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