“Ich bin Kinderärztin. Ich arbeite für Ihr Leben gern.”

Liebe Haus- und Fachärzte, offensichtlich möchtet ihr euer Image aufpolieren: der Arzt, der sich für den Menschen interessiert und gern für ihn arbeitet. Doch stellt sich beim Anblick dieses Plakats die Frage: Für wessen Wohl arbeitet diese Ärztin?

Die Kinderärztin arbeitet für mein Leben gern. Das ist so, als ob ein Metzger am liebsten für Vegetarier seine Wurst herstellt. Gemeint ist wohl nicht mein Leben (also das Leben des Lesers, der in der Anzeige mit “Sie” angesprochen wird), sondern das Leben des Patienten (in diesem Fall also ein Kind). Daher muss der Anzeigentext richtig lauten: “Ich bin Kinderärztin. Ich arbeite gern für das Leben Ihres Kindes.”

Die Anzeige ist Teil einer Kampagne, deren Plakatmotive nach einem einfachen Schema aufgebaut sind.  “Ich bin xxx-Arzt. Ich arbeite für Ihr Leben gern.” Bei den Haus- und Hautärzten funktioniert’s, hier ist der Leser potenzieller Patient. Doch schon bei der Frauenärztin ergeben sich erste Probleme: Hier wird nur die Hälfte der Leserschaft tatsächlich angesprochen. Bei dem Motiv mit der Kinderärztin hat allerdings niemand mitgedacht, hier wurde einfach nur nach Schema F verfahren.

Handeln nach Schema F ist ein schlechter Ratgeber – sowohl im Bezug auf Patienten als auch auf Werbetexte.

 

 

6 gute Gründe

Six sells. Wenn die Werbung sagt, es gibt sechs gute Gründe, dann gibt es sechs gute Gründe. Alles andere ist Kekskrümelei. Doch um welche sechs Gründe es sich bei den Torteletts handelt, erfährt man erst auf den zweiten Blick. Als Erstes fallen die untereinander aufgelisteten Adjektive auf: Die Tortelettes sind

1. glutenfrei

2. milchfrei

3. eifrei

4. laktosefrei

5. und sooooo köstlich!

Upps, hab ich mich verzählt? Nochmal: 1, 2, 3, 4, 5. Vier gute Gründe und eine Geschmacksache. Oder handelt es sich um einen Zahlendreher, und es sind vier Gründe und gar keine Vier-Korn-Tortelettes, sondern Sechs-Korn-Tortelettes?

Die Lösung steckt im Detail bzw. in der Verpackung. Sechs Törtchen = sechs Gründe. Nicht mehr und nicht weniger.

 

 

Besser hier wohnen, wo Köln wohnt – seit 100 Jahren.

Klar: Wo schon Köln wohnt, da wollen die drei Mädels natürlich auch wohnen. Heißt es doch: “Wo Köln wohnt, da lass dich ruhig nieder” usw. Aber: Ist da überhaupt noch Platz, wo Köln haust? Womöglich wohnt Hamburg im gleichen Block, und Pusemuckel steht schon lange auf der Warteliste; und wenn dann Düsseldorf mal zu Besuch kommt … Köln wohnt da übrigens schon seit 100 Jahren, so der Plakatpoet, da wird selbst die Eigenbedarfskündigung schwierig. Es hätt schließlich noch immer jut jejangen.

Aber wo wohnt denn nun Köln genau? Sie werden es sich denken: Köln wohnt ebendort. In Köln. Zumindest die Werbekampagne für die GAG, eine Kölner kommunale Wohnungsbaugesellschaft, behauptet das.

Also jetzt nochmals zum Auf-der-Zunge-zergehen-lassen: Köln wohnt seit 100 Jahren in Köln, und dort sollte man selbst auch wohnen. Sogar bei so profanen Themen wie Immobilien bestätigt sich also der einzigartige selbstbezügliche Charakter der schönsten Stadt der Welt: Sie ruht quasi in sich selbst. Und nur dort. Und nur in Ruhe.

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